Auf Wiedersehen, Herr Westerwelle…
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Word!
Zum Thema “Nacktscanner”
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Hach, erfrischend. Wochenlange Diskussionen, tausende neuer, vermeintlicher Fachmänner, die steigende Angst vor dem Terror — auf den Kopf gestellt von einem einfachen Test mit einem klugen Probanden.
Danke, Werner Gruber!
Formspring.me / Fragt mich was!

Fragen zu mir!
Bei Formspring könnt ihr mir ab jetzt Fragen aller Art stellen, jederzeit. Antworten gibt’s so schnell wie möglich. (Hach, ich liebe diese Formeln, die positiv klingen, aber zu nichts verpflichten…)
Der Waffenmarkt von Pakistan
Suroosh Alvi von Vbs.tv macht sich auf, um zu sehen, ob es wirklich so einfach ist, als Ausländer im Grenzegebiet zwischen Afghanistan und Pakistan Waffen zu kaufen. Das Ergebnis: Man kann sie nicht nur kaufen – nein – man darf sogar eine Führung durch die “gläserne Produktion” machen und natürlich Probeschießen. Und die Auswahl scheint auch nicht von schlechten Eltern zu sein.
Diese Bilder bringen uns unweigerlich an einen schwierigen Punkt: Das pakistanische Volk und natürlich die Armee sollten eigentlich die internationalen Truppen in Afghnistan im Kampf gegen die Taliban unterstützen. Nun ist der Waffenhandel aber ein solch lukratives und etabliertes Geschäft im Grenzgebiet, dass die Händler wohl kaum einen Unterschied machen zwischen ihren Abnehmern – solange sie bezahlen, bekommen sie was sie wollen – eine, auch bei uns, sehr altbekannte und übliche Praxis.
So liebe Pakistanis, jetzt können sie sich entscheiden: Gegen die Taliban und damit gegen einen lukrativen Markt oder eben für diese Einnahmequelle und somit gegen die Pläne der internationalen Truppen? Vorher gefragt hat wahrscheinlich keiner…
Matthew P. Hoh kündigt in Afghanistan
Der hochrangige politische Offizier im diplomatischen Dienst Matthew P. Hoh, welcher seit vielen Jahren in der südlichen Region Zabul an der Grenze zu Pakistan beschäftigt war, hat nun seinen Posten in einem Brief an die Botschafterin Nancy J. Powell gekündigt.
Die Zeit hat den Brief wie folgt zitiert:
Sehr geehrte Frau Botschafterin Powell,
mit Enttäuschung und großem Bedauern reiche ich hiermit den Rücktritt von meinem Amt als Politischer Offizier im Diplomatischen Dienst ein. Weiterhin kündige ich meinen Posten als leitender Zivilvertreter für die Regierung der Vereinigten Staaten in der Provinz Zabul.
Von den vergangenen zehn Jahren habe ich sechs im Dienste unserer Nation in Übersee verbracht. Ich habe 2004/2005 und 2006/2007 als Beamter der US-Marine und als Ziviloffizier im Verteidigungsministerium im Irak gedient.
Im Laufe meines fünfmonatigen Dienstes in Afghanistan jedoch ging mein Verständnis und mein Vertrauen in Bezug auf die Militärstrategie der Vereinigten Staaten dort restlos verloren. Ich frage mich, warum wir das tun und wie es enden soll. Anders ausgedrückt: Ich sehe keinen Sinn mehr in weiteren Opfern und Militärausgaben zur Unterstützung dieser afghanischen Regierung in einem seit 35 Jahren andauernden Bürgerkrieg.
Nächstes Jahr im Herbst werden amerikanische Soldaten genauso lang in Afghanistan stationiert sein wie seinerzeit sowjetische Truppen. Genauso wie die Sowjets setzen wir die Unterstützung und Sicherung eines zerbrechenden Staates fort und fördern eine Ideologie und ein Regierungssystem, das sein Volk weder versteht noch akzeptiert.
Wenn man die Geschichte Afghanistans als eine große Theaterbühne betrachtet, dann sind die USA wie alle ihre Vorgänger nichts weiter als Nebendarsteller in einer unendlichen Tragödie, in der Stämme, Täler, Clans, Dörfer und Familien gegeneinander aufgehetzt wurden. Spätestens seit Ende des Regimes von König Zahir Schah wurde diese Gesellschaft in einem erbitterten Kampf gespalten: auf der einen Seite stehen die städtischen, weltlich gebildeten und modernen Afghanen, auf der anderen Seite steht die religiöse, des Schreibens und Lesens unkundige, traditionsverhaftete Landbevölkerung. Aus der letzteren Gruppe rekrutieren sich die paschtunischen Aufständischen.
Dieser Aufstand, der sich aus zahlreichen einheimischen Gruppen gebildet hat, speist sich aus dem, was die Paschtunen als einen Jahrhunderte dauernden Angriff durch innere und äußere Feinde auf ihre Kultur, Traditionen und Religion wahrnehmen. Der Feind sind Nichtpaschtunen, ob in Gestalt von Nato-Soldaten oder Angehörigen anderer Ethnien in der afghanischen Armee und in der Polizei. Im Osten wie im Süden Afghanistans habe ich beobachtet, dass die Mehrheit der Aufständischen nicht unter dem weißen Taliban-Banner kämpft, sondern gegen die Präsenz von ausländischen Soldaten und gegen Steuern, die von einer Regierung eingefordert werden, von der sie sich überhaupt nicht vertreten fühlen.
Die Anwesenheit von Militärtruppen der Vereinigten Staaten trägt erheblich zur Legitimierung des Aufstands bei und verstärkt dessen strategische Botschaft. Unsere Unterstützung der afghanischen Regierung hilft, die Kluft zwischen Regierung und Volk zu vertiefen.
Denn die Korruption hat groteske Ausmaße angenommen. Der Kreis der Vertrauten von Präsident Karsai besteht aus Drogenbossen und Kriegsverbrechern. Provinz- und Distriktführer setzen sich aus lokalen Machthabern, Opportunisten und Leuten fürs Grobe zusammen, die sich mit den Vereinigten Staaten nur so lange verbunden fühlen, solange unsere Hilfsgelder fließen. Die jüngsten Wahlen waren von Betrug beherrscht und erlauben es unseren Gegnern nun, weltweit die Unterstützung unserer Regierung zugunsten einer ungesetzlichen, unrechtmäßigen afghanischen Regierung infrage zu stellen.
Mich erinnert das in fataler Weise an unseren Krieg in Vietnam: Zulasten unseres inneren Friedens in Amerika unterstützten wir ein unpopuläres, korruptes Regime in Südvietnam gegen einen Aufstand, dessen Nationalismus wir in arroganter Kurzsichtigkeit mit einem Rivalen unserer eigenen Kalter-Krieg-Ideologie verwechselt haben.Ich finde die Gründe fadenscheinig, mit denen wir heute von unseren jungen Leuten in Afghanistan Opfer fordern. Wenn wir Afghanistan vor allem deswegen sichern wollen, um ein Wiederaufleben von al-Qaida zu verhindern, dann müssten wir konsequenterweise auch im Westen Pakistans, in Somalia oder im Jemen einmarschieren.
Unsere Truppenpräsenz in Afghanistan aber hat die Destabilisierung Pakistans nur noch beschleunigt. In Pakistan, so fürchten wir völlig zu Recht, könnte die Regierung im Fall eines Umsturzversuchs oder weiterer Schwächung die Kontrolle über ihre nuklearen Waffen verlieren. Um also der Logik unserer erklärten Ziele zu folgen, sollten wir Pakistan besetzen, nicht Afghanistan.
Geht es uns aber in erster Linie um den Kampf gegen Narco-Staaten, Korruption und Drogenhandel, dann müssten wir in Anbetracht unserer enormen militärischen und finanziellen Investitionen in Afghanistan auch unser Engagement in Mexiko entsprechend aufstocken.
Nach acht Jahren Krieg hatte unsere Nation noch nie ein dermaßen engagiertes, gut ausgebildetes, erfahrenes und diszipliniertes Heer wie die US-Armee, und ich denke, keine andere Militärmacht hat jemals einen so komplexen, undurchsichtigen Auftrag, verbunden mit ständiger Sisyphusarbeit, wie das US-amerikanische Militär in Afghanistan erledigt. Trotzdem handelt es sich um einen Krieg, für den unsere Oberbefehlshaber, unsere leitenden Offiziere, Menschen in Uniform, Zivilisten und Regierungsbeamte nur unzulänglich ausgerüstet worden sind.
Sie alle sind bereit, für die Mission Opfer in Kauf zu nehmen. Doch ihnen werden Ziele vorgegeben, die mehr durch das politische Klima in Washington beeinflusst sind als durch die Realität in afghanischen Städten und Dörfern.
»Wir pumpen hier Geld hinein bis zum Abwinken.« So begrüßt einer unserer fähigsten Kommandanten in Afghanistan jeden seiner Besucher. Wir verpfänden unsere Wirtschaft auf einen Krieg, der selbst bei verstärktem Engagement in den kommenden Jahren nicht entschieden werden wird. Erfolge und Siege, was immer das heißen mag, werden nicht innerhalb einiger Jahre erreicht, in denen wir weitere Milliarden in dieses Land stecken, sondern nach Jahrzehnten und Generationen. Aber die Staatskasse der Vereinigten Staaten ist nicht unbegrenzt belastbar.
Ich merke, wie mir der Ton in meinem Brief entgleitet, und bitte Sie, mir meinen Zorn nachzusehen. Ich bin überzeugt davon, dass Sie die Eigenheit dieses Kriegs verstehen, mit all den Opfern, die von so vielen Familien erbracht werden. Tausende unserer Männer und Frauen sind mit körperlichen und seelischen Wunden nach Hause zurückgekehrt, einige werden niemals heilen oder sich mit der Zeit nur noch verschlimmern. Die Toten kehren nur noch als körperliche Hülle zu ihren Familien zurück, die darauf vertrauen müssen, dass ihre Angehörigen ihr Leben einem Zweck geopfert haben, der eine verlorene Zukunft rechtfertigt. Ich glaube nicht mehr an solche Versprechen und reiche daher meinen Rücktritt ein.
Hochachtungsvoll
Matthew P. Hoh
Muss man nicht weiter kommentieren, denke ich.
Petition: Wissenschaft und Forschung

Mal wieder etwas politisches: Es geht hierbei um eine Petition zum “kostenlosen Erwerb wissenschaftlicher Publikationen”.
Der Petitionstext lautet wie folgt:
Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, soll der Bundestag auffordern, entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen zu schaffen.
Begründung
Die öffentliche Hand fördert Forschung und Entwicklung nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung jährlich mit etwa 12 Milliarden Euro. Die Ergebnisse dieser Forschung jedoch werden überwiegend in kostenpflichtigen Zeitschriften publiziert. Es ist nicht angemessen, dass der Steuerzahler für die von ihm finanzierten Forschungsergebnisse erneut bezahlen muss.
Wegen der hohen Kosten und der Vielzahl wissenschaftlicher Zeitschriften sind Forschungsergebnisse nur in wenigen Bibliotheken einsehbar. Den meisten Bürgern ist der Zugang zu der von ihnen finanzierten Wissenschaft dadurch nicht nur erschwert, sondern de facto ganz verschlossen.
Den Bürger von der Wissenschaft auszusperren ist nicht nur schädlich, sondern auch unnötig. Andere Länder haben vergleichbare Vorhaben bereits umgesetzt. Die US-Amerikanische Behörde National Institutes of Health (NIH) verlangt, dass alle von ihr finanzierten Publikationen binnen 12 Monaten an einem zentralen Ort öffentlich zugänglich sind. Die grundsätzliche Struktur des wissenschaftlichen Publikationswesen verändert sich hierdurch nicht.
Hier geht’s zur Petition.
Ich bin Mitzeichner Nummer 5085 und hoffe, ihr werdet es mir gleich tun.
Science to the people!
Deutschland, bewusstlos…
Puh, das wird ein langer Beitrag, denke ich. Es ist wieder soweit: Mein Unverständnis gegenüber der deutschen Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft ist ein weiteres Stück gewachsen – langsam aber sicher verliert man doch den Glauben an den Menschen und dessen Verstand. Da Bilder mehr sagen als 1000 Worte, hier erst einmal der Ursprung des Übels: Die ARD-Dokumentation “Die Armutsindustrie”. Schon etwas älter, aber mir stellen sich immernoch die Nackenhaare.
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So, was haben wir?
Einen Trampolin-Hersteller, der alleine im Metallbereich 50 (in Worten: Fünfzig) Ein-Euro-Jobber eingestellt hat. Und ein Geschäftsführer, der diese Tatsache ganz stolz unter dem Deckmantel verkauft, er stärke die deutsche Wirtschaft, weil er nichtmehr in China produziere.
Einen “wegrationalisierten” Berufskraftfahrer, der 20 Jahre lang täglich Kartons ein- und ausgeladen hat und von der Agentur für Arbeit nun ein Praktikum vermittelt bekommt – eigentlich eine Maßnahme um ihn wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Dort packt er Keilriemen vom großen Karton in den kleinen Karton, acht Stunden täglich. Er soll damit neue Erfahrungen machen. Und wieder ein Geschäftsführer der sich nicht so recht trauen will einzugestehen, dass seine neun subventionierten “Praktikanten” zwei vollbezahlte Arbeitsplätze ersetzen.
Dann hätten wir da noch das Dachunternehmen des Ganzen: Das Sozialunternehmen Neue Arbeit gGmbH. Mit rund 1600 arbeitslosen Arbeitskräften aus praktisch allen handwerklichen Bereichen, welche übrigens alle nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik erfasst werden, hat das Sozialunternehmen laut Geschäftsführer Ulrich Rabeneick eine wichtige Aufgabe: “Die Existenzsicherung der mittelständischen Unternehmen.” Außerdem betreibt man noch einen Haushaltshilfe-Service – nicht gemeinnützig, nein – für Leute, die es sich eben leisten können. So bezahlen diese dann auch 12 Euro/Std. für diese Dienstleistung an die Neue Arbeit. Die Haushaltshilfe selbst bekommt dann 1 Euro/Std. von der Agentur für Arbeit.
Nun stellt sich die Frage: Was ist denn z.B. an einem Trampolin gemeinnützig?
Darauf hat Herr Rabeneick, nach ein wenig gut vertuschter Bedenkzeit inklusive den altbekannten “Mmmmmh”s und “Äääääährm”s, eine sher beeindruckende Antwort. Kurz: Es ist nicht das Endprodukt, welches gemeinnützig sein soll – nein – es ist der Weg dorthin, die Produktion, die Eingliederung der vielen Hilf- und Perspektiv- und Arbeitslosen 1-Euro-Jobber, welche von der Agentur für Arbeit finanziert werden. Achsoooo, na dann…
Heruntergebrochen bedeutet dies nichtmehr “Der Weg ist das Ziel”, sondern “Der Weg hat kein Ziel” – zumindest keines, das den Weg in irgendeiner Form legitimiert.
Als ich diese Dokumentation das erste mal sah’ konnte ich nicht anders als hinaus an die frische Luft zu gehen. Diese Kurzsichtigkeit aller Beteiligten macht mich leider unglaublich wütend. Wenn der breiten Öffentlichkeit dann noch suggerriert wird, man täte doch nur Gutes indem man die Produktion in Deutschland behalte, obwohl man ja in China noch günstiger produzieren könne, dann bekomme ich eine Gänsehaut. Mein Großvater hätte gesagt: “Da geht mir das Messer in der Tasche auf” – und das bringt es auch sehr gut auf den Punkt.
Ich kann nur hoffen, dass Menschen wie Herr Rabeneick das was sie da sagen nicht auch noch glauben. Sonst ist für mich der letzte Funke Hoffnung für dieses System, diese Gesellschaft in Rauch aufgegangen. Soviel Ignoranz möchte ich keinem Menschen zuschreiben.
Ohne mich jetzt als Wirtschaftsweise darstellen zu wollen, möchte ich doch darauf hinweisen wo, meiner Meinung nach, das Problem seinen Ursprung hat: Im Kopf eines jeden Einzelnen. Das Bewusstsein, als eine geschlossene Gesellschaft mit all ihren Vor- und Nachteilen aufzutreten, schwindet zusehens. Ebenso die Fähigkeit, wirtschaftlich und politisch weiter als über die naheliegendste Hürde zu denken. Was sollen denn die Kinder denken, wenn ihnen diese wissentlichen Verzerrungn der Realität als Wahrheiten verkauft werden? Wahrheiten, die immer kurzlebiger geworden sind. Die immer wieder umgeschrieben werden müssen, weil ein Einzelner zu faul war, auf lange Zeit voraus zu denken.
Solange an den Spitzen der Politik und der Wirtschaft keine Spitzenpolitiker und Spitzenunternehmer sitzen – und damit spreche ich nicht nur von Diploma, “Vitamin B” und Berufserfahrung, sondern genauso von der Fähigkeit, sensibilisiert für das Bewusstsein der Gesellschaft zu sein – werden diese kleinen Pflaster auf den tief klaffenden Wunden dieser Demokratie weiterhin schnell aufweichen und bei der nächsten Bewegung abfallen.
Afghanistan: Das verflixte achte Jahr.

Photo: Yan Boechat
Unglaublich, dass es schon 8 (in Worten: Acht) Jahre her ist, dass in Afghanistan der Krieg tobt. Auch wenn die deutsche politische Allgemeinheit sich heute immernoch nicht einig ist, ob die Konflikte im islamischen Binnenstaat nun wirklich als “Krieg” bezeichnet werden können – Bis dahin müssen erst einmal bis zum Juni diesen Jahres 35 Bundeswehrsoldaten sterben.
Bisher mussten sich schon drei deutsche Außenminister – Rudolph Scharping (SPD/bis 2002), Peter Struck (SPD/bis 2005) und gegenwärtig Franz Josef Jung (CDU) – mit diesem scheinbar aussichtslosen Konflikt auseinandersetzen. Dabei schienen und scheinen sie alle drei sehr bemüht, doch leider blieb der große “Erfolg” am Hindukusch aus. Kein einfaches Amt während eines Einsatzes, welcher wohl zu beginn strategisch penibel geplant war, aber durch den “Heimvorteil” der Taliban wie befürchtet schnell in viele kleine Krisenherde zerbrochen ist, deren Menge und Unvorhersehbarkeit kaum gezielte Handlungen zulassen.
Das sind aber wohlgemerkt nur die ersten 50% der Aufgabe. Das Vertrauen des afghanischen Volkes, welches auf ca. 30 Mio. Menschen geschätzt wird und sich aus unzähligen verschiedenen Bevölkerungsgruppen zusammensetzt, spielt hier die zentrale Rolle. Ihr müßt euch vorstellen, dass bei euch plötzlich der Nachbar mit einer Keule im Wohnzimmer steht und behauptet, die Mäuse aus eurem Keller hätten bei ihm ein Loch in’s Dach gefressen. Er beteuert, dass er euch nichts Böses will, nur eure Mithilfe beim, wenn nötig, gewaltsamen Austreiben der Mäuse aus eurem Keller. Ihr wisst schon länger, dass im Keller Mäuse wohnen – aber irgendwie hat man sich arrangiert, auch wenn ab und zu eine Kartoffel angeknabbert war, im Gegenzug lag auch mal eine unvorsichtige Maus in der Falle. Und nun steht dieser Fremde Mensch mitten im Raum und bezichtigt Euch der Mitschuld an seiner Misère, fordert aber gleichzeitig euer vollstes Vertrauen und eure Mithilfe. Preisfrage: Was erzählt ihr dem Typen?
Nun haben wir es in Afghanistan nicht mit Mäusen zu tun, sondern mit Menschen. Das macht die Sache nicht unbedingt einfacher – wir können zwar mit ihnen kommunizieren, aber im Grunde sind sie uns in Wesen, Kultur und Religion ungefähr so ähnlich bzw. unähnlich wie Mäuse.
Nun versteht der ein oder andere vielleicht die Schwierigkeit der Aufgabe eines 24-jährigen Soldaten im Hindukusch: Mit Sturmgewehr in festem Griff und auf sicherer Distanz im symbolischen fremden Wohnzimmer dem Hauseigner zu erklären, dass er ihm vertrauen müsse, er wolle doch nur sein bestes.
Ich habe großen Respekt vor jedem, der sich bewusst dieser Aufgabe stellt – der Krieg in Afghanistan ist nunmal seit acht Jahren Realität und ein oft geforderter Abzug aller deutschen Truppen löst das diesen Konflikt genau so wenig wie eine starke Erhöhung des Kontingents, wie sie Barack Obama dieser Tage zu entscheiden hat. Zu allererst muß im Bewusstsein der Politik Klarheit geschaffen werden über diesen Krieg. Ja, es werden noch weitere Menschen sterben. Ja, es werden noch weiter Särge in Bundeswehrflugzeugen in Deutschland ankommen. Ja, unsere Bundeswehr ist im Krieg und wird das auch noch eine ganze Weile sein. Und für den Ausgang dieses Krieges ist jeder einzelne von uns mit verantwortlich, insbesondere aber das deutsche politische Bewusstsein.
Wie soll ein Soldat seine Arbeit gewissenhaft verrichten können, wenn er sie mit Samthandschuhen ausführen muss? Ich denke, der Bundeswehrsoldat im Hindukusch hat schon genug Ängste die es zu bändigen und zu verarbeiten gilt – wenn ihm dann noch sein eigenes Land den Rücken zu kehrt anstatt ihm den seinen frei zu halten, dann verliert sein Einsatz endgültig den Sinn. Und sinnlose Kriege wurden schon viel zu viele geführt.
Ich empfehle jedem, der sich für das Thema interessiert sich die folgende Kurzdokumentation “Inside Afghanistan” von VBS.tv anzusehen. Darin begleitet Ben Anderson von der BBC mit der Kamera 24 Stunden lang ein Einsatzkommando, bestehend aus afghanischen und britischen Truppen. Hautnah, erschreckend und irgendwie ernüchternd.
Teil 1:
Teil 2:
Atomenergie, oder: Der Kern der Sache

*Fanfare*
Hier ist er – der erste Eintrag aus der Kategorie Politik – und dann gleich mit einem der heikelsten Themen überhaupt.
Vorweg sei gesagt: Ich bin weder Soziologe noch Wissenschaftler noch Physiker oder gar Politiker, bin also immer gerne für Kritik und Aufklärung zu haben –> Kommentare!
Zum “Kern der Sache”:
Soeben habe ich mir eine meiner täglichen Rationen Nachrichten bei Spiegel Online (SpOn) abgeholt und bin dabei auch über diesen Videobeitrag gestolpert, mit dem Titel: “Comeback der Kernenergie? Anti-Atom-Bewegung mobilisiert gegen Schwarz-Gelb”.
Dort wird, scheinbar noch weitläufig unbeachtet, in den Koalitionsverhandlungen der beiden Regierungsparteien über einen “Schritt zurück” in den Ausbau der Atomenergie gesprochen. Dies sollte, zum einen, niemanden überraschen, da sich die CDU in ihrem vorgestellten Wahlprogramm schon mindestens für eine “längere Laufzeit der sicheren Kernkraftwerke” ausgesprochen hatte. Andererseits habe ich mir persönlich mehr Verantwortungsbewusstsein erhofft. Dabei spreche ich nicht von den vielen Bedenken, welche gegenüber der Kernenergie, ob nun recht oder unrecht, im Raum stehen, sondern von dem scheinbaren Unbewusstsein in Bezug auf die Macht des Wählers und dessen damit verbundenes Wertesystem. Klingt kompliziert – ist es aber nicht, sollte man meinen.
Ein Beispiel:
Ich betreue ein 15 Mann Unternehmen im Bereich Unternehmensberatung.
Dabei habe ich über viele Jahre eine recht erfolgreiche Strategie und einen ausgereiften Trainingsplan für Unternehmen ausgearbeitet, welcher sehr gut angenommen wird und gute Erfolge erzielt.
Ich arbeite nun in einer Phase von ca. vier Jahren mit einem großen Kunden zusammen, berate ihn strategisch, weise ihm den Weg – erfolgreich. Prozesse entstehen, es ebnen sich Wege und dadurch werden ganz neue Ziele greifbar, die, richtig verwertet, einen großen Erfolg versprechen können. Ein ganzer Kundenstamm entwickelt seine Zukunft anhand dieser Strategie – noch vier weitere Jahre und die Kunden sind an einem Punkt angelangt, an dem ich einen Schlußstrich ziehe und das Unternehmen erfolgreich sich selbst übergebe. Natürlich nicht ohne eine fette Rechnung zu schreiben, welche aber für ein inzwischen sehr erfolgreiches Unternehmen als lohnende Investition gilt.
Nun der Knackpunkt:
Nach den angesprochenen ersten vier Jahren – alle Grundsteine sind gelegt, die Strategie beginnt zu greifen – kommt dieses Projekt an den wichtigsten Punkt. Die alten Strategien und Arbeitsweisen müssen über Bord geworfen werden, der Kunde soll sich nun selbst “neu erfinden”, Wissen anwenden, die Zukunft planen.
Just an diesem Punkt steht Deutschlands Atom-Politik und damit auch das Bewusstsein der Wähler, des Volkes, des Einzelnen. “Atomausstieg”, jaja – ist jedem ein Begriff, war doch vor ein paar Jahren ganz groß im Gespräch. Aber erst langsam beginnen wir zu realisieren, was für neue Möglichkeiten uns dieser “erzwungene” langsame Ausstieg ermöglicht. Plötzlich kann sich Max Mustermann eine kleine Windkraftanlage oder eine passende Photovoltaikanlage auf sein Eigenheim stellen – bezahlbar. Jetzt wäre der Zeitpunkt, diese neuen Möglichkeiten zu nutzen um dem “alten” so leise als möglich den garaus zu machen.
Ich möchte nicht die Effizienz oder die Schadstoffärme der Atomenergie infrage stellen, vermag dies auch nicht zu beurteilen – nur ist sie nunmal genau der “Sündenbock” den wir jetzt brauchen, um vorwärts zu denken und zu gehen.
Wer heute wieder an eine Ausweitung der Atomkraft denkt, zieht nicht nur die Proteste der “Anti-Atom-Bewegung” auf sich, sondern zwingt auch ganze Industriezweige dazu, Innovationen aufzugeben und auf der Stelle zu verharren.
Hallo Welt!
Here we go!
Es ist vollbracht. Mucke rein, Inhalte rein, schreiben, schreiben, schreiben…
